Weltfrauentag: Gibt's da was zu feiern?
- frauheit
- 4. Apr. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Apr. 2022
Gernot Alic 04.04.2022

Demonstration zum Internationalen Tag der berufstätigen Frauen in Paraná am 08.03.2019
© Paula Kindsvater
Der Weltfrauentag 2022 ist Geschichte und was jetzt? Frauen leisten Großes für eine bessere Welt und stehen Männern um nichts nach! Warum bestehen also Geschlechterunterschiede auf verschiedensten Ebenen weiter?
Seit 1911 wird der Weltfrauentag jährlich am 8. März begangen, heuer unter dem Motto „Geschlechtergleichstellung heute für ein nachhaltiges Morgen“. An diesem Tag wird die Gelegenheit wahrgenommen, einerseits die Fortschritte auf dem Weg der Gleichstellung der Geschlechter zu feiern, andererseits die Ungleichbehandlung der Geschlechter auf unterschiedlichen Ebenen aufzuzeigen. Im Vertrag von Lissabon wurde die Gleichheit von Frauen und Männern als ein gemeinsamer Wert der Europäischen Union verankert, der seit 1. Dezember 2009 gültig ist https://www.europarl.europa.eu/ftu/pdf/de/FTU_2.3.8.pdf.
Gegenwärtig ist die Gleichstellung ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Gleichzeitig stehen Frauen aber an der Spitze von Bewegungen, die sich für globale Themen wie Klimagerechtigkeit, Pressefreiheit und Zugang zu wissenschaftlichem Fortschritt einsetzen. Demzufolge könnte angenommen werden, dass eine frühere Annäherung zur Geschlechtergleichstellung zu einer gerechteren gesünderen, umweltfreundlicheren und friedlicheren Welt geführt hätte. Damit sich Frauen überhaupt für eine bessere, gerechtere sowie freiere Welt einsetzen können, braucht es ein bedeutendes Maß an Freiheit, welches in vielen Ländern noch nicht gegeben ist.
Die Geschichte der Kämpfe von Frauen um Gleichstellung, Gerechtigkeit und Freiheit ist eine lange und sehr mühsame. Nur in Etappen mit großem Mut und Einsatz diverser Frauen wurde der Weg in Richtung Geschlechtergleichstellung beschritten.
Drei Beispiele von Frauen als Vorreiterinnen in Wissenschaft und Technik
Der freie Zugang zu Wissenschaft und Forschung blieb Frauen lange Zeit verwehrt. Welchen Aufwand, welches Geschick, welche Anstrengungen Frauen in der Vergangenheit benötigten und noch immer benötigen, um letztendlich ein Studium absolvieren zu können, zeigt exemplarisch die Geschichte von Emilie Kempin-Spyri.

© Sozialarchiv, Zürich
Sie besuchte Vorlesungen der Rechtswissenschaften, obwohl ihr dies nicht gestattet war. Auf Grund ihres Mutes durfte sie das Studium trotzdem absolvieren. Sie bestand alle Prüfungen und wurde als erste Juristin Europas in der Schweiz anerkannt. Nach längerem Aufenthalt in Amerika, wo sie eine Privatschule für Recht gründete und als Privatdozentin lehrte, kehrte Emilie Kempin-Spyri in die Schweiz zurück und bewarb sich als Dozentin an der Universität Zürich. Große Willensanstrengung war notwendig, um die in Amerika erworbenen Titel zu rechtfertigen. 1892 wurde sie letztendlich als erste Dozentin für Recht zugelassen. Erst 100 Jahre später sollte die zweite Privatdozentin ihr Amt antreten. https://www.ebg.admin.ch/ebg/de/home/dokumentation/persoenlichkeiten-aus-der-schweizer-gleichstellungsgeschichte/emilie-kempin-spyri--1853-1901-.html)
Weitere herausragende Persönlichkeiten mit beeindruckender Geschichte, die zeigt, welchen Beitrag Frauen zu Wissenschaft und Forschung leisteten und welche neue Erkenntnisse hervorgebracht werden können, sind die drei Mathematikerinnen, Katherine Johnson, Mary Jackson und Dorothy Vaughn. https://www.space.com/35430-real-hidden-figures.html Sie haben die US-amerikanische Raumfahrt entscheidend mitgeprägt. Trotz massiver Repressionen auf Grund ihrer Hautfarbe und ihres Geschlechts gelang es diesen Wissenschaftlerinnen mit ihrem Verstand, ihren mathematischen Berechnungen und ihrem Durchhaltevermögen die erste Weltraummission der USA zum Erfolg zu führen. Die Geschichte dieser außergewöhnlichen Frauen wurde mit Hidden Figures – unbekannte Heldinnen 2016 verfilmt.https://www.moviepilot.de/news/hidden-figures-das-ist-die-wahre-geschichte-hinter-den-heldinnen-1120108
Wenn es um die freie Lebensgestaltung und Berufsausübung geht, werden Frauen aus nicht nachvollziehbaren Gründen nach wie vor benachteiligt. Nichtsdestotrotz finden sie Wege, auch in technisch hochanspruchsvollen und männlich geprägten Berufen Fuß zu fassen. Der Weltfrauentag gibt Gelegenheit, diese Tatsachen öffentlich zu machen. Eine besondere Form des Protests vollzogen arabische Pilotinnen anlässlich des Nationalfeiertags von Brunei 2016.

Kapitän Sharifah Czarena, Kapitän Sharifah Czarena, Flug-Offizier DK Nadiah und Flug-Offizier Sariana (von links) vor ihrem Flug nach Jeddah am Brunei International Airport. (Foto: AP)
Die Pilotinnen Sharifah Czarena Surainy, Nadiah Pg Khashiem und Sariana Nordin wagten den Flug vom islamischen Sultanat Brunei nach Jeddah/Saudi Arabien, wo Frauen nicht Auto fahren dürfen. Die ausschließlich weiblich besetzte Cockpit-Crew führte den etwa 10-stündigen Flug durch und landete die Boing 787 Dreamliner in Jeddah, ohne verhaftet zu werden.
Im Zusammenhang mit der Klimakrise und der Verringerung des Katastrophenrisikos soll auch in Österreich die Kampagne zur Gleichstellung der Geschlechter vorangetrieben und gemeinsam die Situation der Frauen nachhaltig verbessert werden.
Ja, es gibt was zu feiern…
Die drei oben angeführten Beispiele zeigen: „Ja, es gibt was zu feiern.“ Gleichzeitig laden sie aber auch nachdrücklich dazu ein, Frauenrechte weiter zu stärken und die Geschlechtergleichstellung zu forcieren, damit die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, beispielsweise die Anpassung an den Klimawandel, die Pandemiebekämpfung, die Vermeidung von Kriegshandlungen oder Fluchtbewegungen, bewältigt werden können und um dem Motto „Geschlechtergleichstellung heute für ein nachhaltiges Morgen“ gerecht zu werden.
Weiterlesen:
Emilie Kempin-Spyri
Filmtipp: Hidden Figures
Pilotinnen in Saudi Arabien
Geschlechtergleichstellung heute für ein nachhaltiges Morgen




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